Schubert
Franz Schubert |
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Rezensionen
Fanfare (USA) 2000
»… isn’t actually
a set per se, for the discs are available separately and bear numbers
that are not sequential. Still, it is hard to imagine collectors
purchasing one of them without promptly going after the other.
Thanks to Tacet’s series of reissues, the Abegg Trio, still very much a
force in European music (although the group has not toured the US for
some time), is rapidly becoming a personal favorite. Part of the reason
for this is the overall high quality of the performances. The use of a
Bösendorfer Imperial piano doesn’t hurt matters a bit. And the
engineering is outstanding, too. The ensemble playing of violinist
Ulrich Beetz, cellist Birgit Erichson, and pianist Gerrit Zitterbart is
of the highest order, and the interpretations strike me as rock-solid.
Their two CDs encompass all of Schubert’s surviving music for piano
trio, and a bit more too, for they perform the finale of the Second
Trio as it was published in 1828 plus the full, uncut original version.
It’s nice to have the former in such a nice reading, but it is hardly
unknown, and chances are good that most listeners will opt for the
complete version... The four works presented by the Abegg Trio easily
rank among the best modern-instrument performances on record that I
have heard - and that covers a great deal of territory …«
John W. Lambert
Bayerischer Rundfunk Phonokritik 16. März 1996
Es
zeugt nicht nur von Intelligenz, sondern auch von
Verantwortungsbewußtsein und Selbstkritik, wenn ein Ensemble fast 20
Jahre lang wartet, ehe es ein Standardwerk seines Repertoires für die
Schallplatte aufnimmt. Die Rede ist vom Abegg Trio, das trotz seines
Weltruhms und trotz einer umfangreichen Diskographie bis 1994 wartete,
ehe es das erste Klaviertrio B-dur D.898 von Schubert für EMI Classics
einspielte. Die Reife des 1976 gegründeten Ensembles spiegelt sich in
eben dieser Zurückhaltung, und dem Wissen um die Schwierigkeiten einer
gelungenen, inspirierten Schubert-Wiedergabe. Der Schein der schönen
Welt hat bei Schubert nun einmal noch immer doppelten Boden und
verlangt von den Interpreten das Hinterfragen der Musik, das Ausloten
der Partitur, das Bewußtmachen der inneren Brüche.
Daran mangelt es
in Schuberts Musik nicht - was die Skrupel der Interpreten hinreichend
erklärt. Das Abegg Trio soll auch nach der vorliegenden Produktion noch
nicht mit sich zufrieden gewesen sein - doch zu Unrecht, wie ich meine.
Das hohe instrumentale Niveau und die Organik des Musizierens von
Ulrich Beetz, Violine, Birgit Erichson, Violoncello, und Gerrit
Zitterbart, Klavier, sind, wie immer, selbstverständliche
Voraussetzungen einer Wiedergabe, die jeden Satz als Individualität
begreift und realisiert. So kommt das eröffnende Allegro maestoso
wahrhaft majestätisch, doch niemals undifferenziert oberflächlich; der
zweite Satz, die Mitte des Werkes, ist ein lyrisches Andante, das man
sich vielleicht noch intensiver vorstellen kann, dessen dynamische und
klangfarbliche Differenzierungen es hier aber zum sprechenden Gegensatz
des Eingangsallegro machen.
Fast delikat, dabei lebendig und
ausgefeilt gibt sich das Scherzo, ehe das wiegende Rondo-Finale einen
nicht minder delikaten, fein geschliffenen Schlußpunkt setzt. Natürlich
muß das Abegg Trio gegen große Schallplatten-Konkurrenz anspielen, aber
Poesie, Harmonie und Tiefe seines Schubert-Verständnisses wiegen
schwer, schwerer jedenfalls als so mancher illustre Name, den man bei
EMI Classics in London den Abeggs offensichtlich vorzieht. Wäre es
anders, hätte man dort den Vertrag mit dem Abegg Trio kaum auslaufen
lassen. Verstehe das, wer kann.
Ekkehard Kroher
Süddeutsche Zeitung SZ am Wochenende Dezember 1995
Plattentips von SZ-Kritikern: Prof. Joachim Kaiser
Meine Platte des Jahres: Abegg Trio mit Werken Franz Schubert
FonoForum April 1996
Klangbild: Samtig, ausgewogen, rund, transparent.
Fertigung: Einwandfrei.
Mit Weichzeichner.
Man
will es kaum glauben: zwanzig Jahre lang spielen der Pianist Gerrit
Zitterbart, der Geiger Ulrich Beetz und die Cellistin Birgit Erichson
nun schon zusammen - und der Name Abegg Trio ist längst zum
Markenzeichen für höchste Ansprüche und beste Qualität geworden. Zu
Recht: auch diese Schubert-CD bestätigt den ausgezeichneten Ruf, den
sich das Ensemble seit seiner ersten Einspielung 1982 erworben hat. Das
Zusammenspiel ist von einer Homogenität, die kaum zu überbieten ist.
Jedes Detail scheint interpretatorisch und agogisch bis ins letzte
abgestimmt und ausgeformt; da ist offenbar über die Jahre eine selten
anzutreffende Einmütigkeit zwischen drei Musikerindividuen gewachsen.
Und sie spielen Schubert mit überzeugender Selbstverständlichkeit.
Selten passen Einführungstext und Interpretation so gut zusammen wie
bei dieser Neuproduktion. In seinem ausgesprochen anregenden Essay
mokiert sich Jan Reichow über die modische Manie der heutigen Zeit,
»noch jeden Dreiertakt Schuberts als Tanz auf hauchdünner Eisdecke und
jede Modulation in die Unterterz als Abgrund von Todesahnung zu
deuten«, und verweist auf das Glück, die Melodienseligkeit, ja
Schönheit, die Schuberts Musik doch auch beinhalte. Und so spüren die
Abegg-Musiker vor allem der Poesie in Schuberts Werken nach. Schon das
Hauptthema des B-Dur-Trios verströmt Innigkeit und Sehnsucht, die
sofort das Gefühl von »Romantik« wecken. Was aber absolut nicht heißt,
die Interpretationen der Abeggs seien sentimental oder gar kitschig. Im
Gegenteil: die Musiker gehen äußerst sensibel, behutsam und filigran zu
Werke - es sind die feinen Nuancen, die hier die Musik machen.
Geisterhaft-fahl huschen etwa die absteigenden Terztremoli im Rondo
vorbei. Und traumhaft schön gelingt das Notturno - triumphal brechen
dann die E-Dur und C-Dur-Lichtströme herein.
Wenn mich diese
Aufnahme dennoch nicht restlos begeistert, so hat das ausschließlich
mit Geschmacksfragen zu tun - die Perfektion des Ensembles steht außer
Zweifel. Begünstigt durch das samtige, wattierte Klangbild, fehlt mir
denn doch das von Reichow bespöttelte »Höllenfeuer« beim Schubert des
Abegg Trios. Trotz durchaus vorhandener dramatischer Aufschwünge ist
ein weicher Grundduktus vorherrschend. Und das wirkt auf Dauer eine
Spur zu eindimensional, ätherisch, ja: steril.
Fridemann Leipold
Stereo Juli 1999
Großer dramatischer Atem
Virtuos,
temperamentvoll, diszipliniert so hört sich Schuberts zweites
Klaviertrio an - ein Kronschatz der kammermusikalischen Trio-Literatur.
Und weil die Abeggs als international gewichtige Instanz ihren Text so
genau nehmen, strahlt Franz Schubert in ganzer Größe. Nicht als
biedermeierlich angehauchte Komponistennatur, sondern als Dramatiker,
der spüren läßt, daß trotz scheinbarer Unbeschwertheit die Welt für ihn
ohne rechte Hoffnung bleibt. So entsteht ein romantisches
Stimmungsbild, in dem die Interpreten die kontrastierenden melodischen
Elemente klar herausarbeiten. Aufschlußreich auch die beiden Fassungen
für den Finalsatz: Dank des dramatischen Atems des Abegg Trios wird die
Überlänge der ungekürzten Version (ca. 19 min.) hier kaum empfunden.
Egon Bezold
Stereoplay August 1999
CD-Tip: Die Audiophile
Interpretation: 10, Klang. 10, Repertoire: 8
Fassungsprobleme
gibt es nicht erst bei Bruckner. Sie tauchen schon in Schuberts
vielgespieltem Es-Dur-Klaviertrio auf, was wenig bekannt ist. Der
Komponist übersandte seinem Verleger das Manuskript mit der Forderung,
im Finale von ihm bezeichnete Kürzungen vorzunehmen. Sie betrafen nicht
nur die nun fortfallende Wiederholung der Exposition, sondern auch
Teile der Durchführung, sodaß der Satz statt der ursprünglich fast 20
Minuten Spieldauer nunmehr nur 14 Minuten beansprucht. Gestrichen wurde
unter anderem ein zweites Auftauchen des Themenzitats aus dem Andante,
eine Stelle, um die es wegen der reizvollen Verschränkung
unterschiedlicher rhythmischer Gruppen schade ist. Daß dieses
Andante-Thema einem schwedischen Lied entstammt, das Schubert 1827
kennenlernte, hat die Musikwissenschaft erst vor einigen Jahren
entdeckt. Das Abegg Trio stellt nunmehr die beiden Fassungen des Finale
nebeneinander, der Hörer hat also die Wahl. Sie fällt nicht leicht,
steht doch der größeren formalen Balance der heute allgemein gespielten
Endfassung die ausgreifende Kühnheit des Tonartenplans der Urfassung
gegenüber. Das Besondere der Einspielung liegt jedoch nicht nur in der
Hörbarmachung des Finale-Problems, auch die Wiedergabe hat ihre
Meriten. Die beiden altitalienischen Instrumente fügen sich dem Klang
des Bösendorfer sehr schön an. Musiziert wird ungemein subtil und
dynamisch fast überdifferenziert (Scherzando), was gelegentlich die
Gefahr des Geschmäcklerischen heraufruft - andererseits aber den
bedrohlich schwankenden Boden, auf dem der späte Schubert steht,
suggestiv spürbar macht. Eine Parallele also zu der ähnlich gelagerten
Wiedergabe des G-Dur-Quartetts durch die Hagens.
Alfred Beaujean
Fonoforum Dezember 1999
Schubert für kluge Köpfe
Beinahe
sechs Minuten, zweimal 50 Takte und eine Expositionswiederholung,
gingen der Musikwelt verloren, als sich Franz Schubert entschloß, den
himmlischen Längen seines Es-Dur-Klaviertrios D 929 zu Leibe zu rücken,
dessen Finalsatz nachhaltig zu kürzen. Verloren ging dabei auch etwas
vom Sinn des Satzaufbaus, der u. a. die schwedischen Volksliedzitate
aus dem köstlichen Andante in ein ausgeklügeltes System von
Tonartenbezügen integrierte. Warum der Komponist diese Errungenschaft
preisgab, ist nicht klar. Möglicherweise beugte er sich Freundesrat,
denn allzu ungewöhnlich erschien 1827/28 ein Kammermusiksatz von fast
20 Minuten Länge. Das Abegg Trio hat sich nun für Tacet unter den
bewährten Bedingungen (vgl. FF 10/99, S. 40ff.) der Urfassung
angenommen und die gewohnte Version als zusätzlichen Track angefügt.
Der Vergleich ist ebenso interessant wie die Interpretation profiliert.
Einmal mehr überzeugen Ulrich Beetz, Birgit Erichson und Gerrit
Zitterbart durch ihr (ur)textgenaues, transparentes und oft bewußt
trocken akzentuiertes Spiel. Das große Es-Dur-Trio klingt bei ihnen so
»handelnd, männlich, dramatisch« wie Robert Schumann es einst im
Vergleich zum »leidend, weiblich, lyrischen« B-Dur-Trio beschrieb.
Christian Strehk